Donnerstag, 7. Juli 2016



Meine liebe Freundin Marion von Books have a Soul hat sich heute mal mit einem sehr interessantem Thema auseinander gesetzt. Ein Thema, das mal etwas ernster ist und mich zum Nachdenken gebracht hat. Und ich hoffe, ihr nehmt euch die 5 Minuten, um euch ihr Interview mit Andrea durch zu lesen, da ich der Meinung bin, das dies ein Thema ist, über das man reden sollte. Denn viel zu oft beschweren wir uns über unser "ach so schreckliches Leben" und vergessen dabei, wie gut es uns eigentlich geht....



✨Mein Leben mit Büchern - Interview mit einer Blinden✨


Wie viele von euch ja mitbekommen haben, war für mich das Buch "Alles was ich sehe" ein absolutes Highlight, dessen Inhalt mich in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken angeregt hat! 💖💞💕
Es geht ja um ein Mädchen, welches durch eine Hirnhautentzündung erblindet ist und der Leser begleitet sie auf ihrer Reise in ein komplett neues Leben.

Mich hat das alles sehr tief berührt und ich habe mir daraufhin Gedanken gemacht, dass es mal interessant wäre, wenn man eine blinde Person dazu befragen könnte, wie ihr Alltag aussieht und ob bzw. welche Rolle Bücher darin spielen. 💖

Tatsächlich hatte ich wirklich großes Glück, sodass sich eine junge Frau, die fast komplett blind ist (Sehkraft liegt bei 0,01 %) bereit erklärt hat, mit mir ein Interview zu führen. Allerdings möchte sie anonym bleiben, was ich sehr gut verstehen kann und daher habe ich ihren Namen abgeändert.

"Als erstes möchte ich dich, Andrea, ganz herzlich begrüßen. Vielleicht möchtest du uns zum Anfang ein bischen von dir erzählen!"

Andrea:
Ich bin 19 Jahre alt und mache gerade eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin. Diese dauert zwei Jahre. Ich habe das erste Jahr gerade erfolgreich beendet. Anschließend hänge ich ein Jahr dran, in dem ich das Wirtschaftsfachabitur absolviere. Mein bisheriger Plan ist es, danach Lehramt für Deutsch und für Englisch zu studieren. Ich bin für die Ausbildung bzw. für das Abitur weit weg von zu Hause, weil ich dafür an einer speziellen Schule für Blinde und sehschwache Menschen bin. (Www.blista.de)

Meine Augenkrankheit nennt sich Grüner Star, den ich seit meiner (Früh-) Geburt habe. Durch diese Krankheit steigt der Augeninnendruck manchmal gefährlich an. Ich sehe noch 0,01 Prozent, bin also nicht komplett blind. Ich kann normal gedruckte Bücher noch lesen, allerdings nur mit speziellen Hilfsmitteln, die ich dir noch näher bringen werde.
Ich sehe diese 0,01 Prozent nur auf dem linken Auge. Das rechte ist komplett blind. Ich habe ab und an Glaukomanfälle, die im schlimmsten Fall Blindheit zur Folge haben. Um den Augendruck zu senken und somit eventuelle Glaukomanfälle zu verhindern, nehme ich dreimal am Tag Augentropfen.
Ich beherrsche auch die Brailleschrift, umgangssprachlich Blindenschrift, die nach ihrem Erfinder Louis Braille benannt ist. Beide Schriften kann ich fließend lesen. Ich lese im selben Tempo wie 'normale' Menschen und lebe mein Leben weitestgehend normal.

Ich wohne zusammen mit meinem Freund in einer Wohnung. Wir haben verschiedene Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. Ich gehe auch selbst einkaufen. Bei vielen Dingen weiß ich, durch viele Einkäufe mit meinem Freund, wo sie stehen. Bei anderen spreche ich Verkäufer/innen an, die mir assistieren.







"Vom grünen Star habe ich schon gehört, der kann auch später auftreten und es gibt leider kein Heilmittel dafür, so weit ich weiß.
Tolle Ausbildung, die du da machst. Ich muss sagen du wirkst insgesamt sehr positiv und bei deinem Ziel Lehramt zu studieren wünsch ich dir auf jeden Fall viel Glück.
Wie ich sehe hast du auch ein paar Bilder für mich mitgebracht?"

Andrea:
Danke!
Die Bilder (Bilder 1+2) zeigen ein Lesegerät der Firma Baum. Unter dem Monitor ist ein bewegbarer Tisch, mit dem man das Buch hin und her schieben kann.
Ich kann die Helligkeit, Schriftgröße und den Kontrast verstellen.
Ich liebe das Lesegerät. Ich hab es, seit ich vier Jahre alt bin. Von klein auf hab ich es genutzt, um Bilderbücher und später Bücher zu lesen. Es ist mein fast einzigstes und absolutes Lieblingshilfsmittel, weil es mir den Umgang mit ganz normalen Medien ermöglicht.
Ich hab noch eine elektronische Lupe, die wie das Lesegerät funktioniert. Ich kann sie in die Tasche stecken. Sie ist für unterwegs gedacht.

Ich bin auch gut darauf vorbereitet, sollte meine Sehkraft komplett verschwinden. Ich kann den Computer ohne Maus, also mit einem Sprachprogramm und mit Tastenkombinationen, bedienen. Auf dem iPhone kann ich meine Nachrichten diktieren. Ich kann aber auch wie jetzt gerade selbst tippen. Dank der Sprachausgabe VoiceOveg, die auf fast allen Applegeräten vorinstalliert ist, wird mir alles vorgelesen.
Auch Bücher kann ich mir von diesem Sprachprogramm vorlesen lassen.

Dann gibt es noch die sogenannte Braillezeile (siehe Bild 3). Sie wird über Bluetooth oder über USB an den PC angeschlossen. Mit einer speziellen Software wandelt sie den Bildschirminhalt in Text um. Ich kann sie auch mit dem IPhone koppeln und damit ebooks lesen.

"Wir alle haben jetzt mal einen sehr guten Eindruck davon bekommen, wie bei dir der Alltag aussieht.
Würdest du sagen, dass Bücher für dich wichtig sind?"


Andrea:
Für mich sind Bücher schon immer, also seit ich klein war, sehr wichtig! Ich konnte auch sehr schnell fließend lesen, seit Ende der ersten Klasse, und seitdem verschlinge ich Bücher. Ich bin ziemlich süchtig und kann mir gar nicht so viel kaufen, wie ich gerne lesen würde! Ich gehe auch gerne in kleinen Buchläden, wie z. B. Thalia zum Stöbern.
Ich habe sogar mal ein zweiwöchiges Praktikum in einer Blindenbücherei gemacht, wo die Hörbücher und die Punktschriftbücher für Blinde produziert werden. Da hatte ich jeden Tag einen Einblick in einen anderen Bereich. Ich habe die Maschinen gesehen, mit denen die Punktschriftbücher hergestellt werden. Ich durfte auch einen Tag lang Korrekturlesen, da diese Bücher nach der Herstellung von einer Person gelesen werden müssen, um eventuelle Fehler zu finden und zu korrigieren. In der Binderei gibt es eine Beratungsstelle für technische Hilfsmittel und ich durfte dort einen Tag lang auch Kundengespräche führen.
Das hat mir alles viel Spaß gemacht und es ist allgemein ein angesehener Beruf für Blinde. Es war das beste und abwechslungsreichste Praktikum, das ich je gemacht habe und wird mir positiv in Erinnerung bleiben.






"Das hört sich wirklich interessant und toll an. Vor allem ist es ja wirklich schön, wenn man bei so einem Praktikum miteinbezogen und nicht nur irgendwo abgestellt wird.
Was die Büchersucht betrifft, kann ich das absolut nachvollziehen. Mir geht es da nicht anders, am liebsten möchte man alle haben!
Wie ist das eigentlich beim Lesen? Siehst du dabei Bilder im Kopf?"


Andrea:
Bilder kann ich soweit erkennen, wir hatten in der Schule auch Diagramme und Abbildungen. Comics fallen mir schwer, aber einfache Beschreibungen kann ich mir schon vorstellen.
Manchmal gibt es Probleme mit den Schriftarten. Ich lese zur Zeit ein Buch, da ist ein Brief verfasst in einer Computer-Handschrift und das fällt mir schwer, da muss ich langsamer lesen. Aber im Prinzip ist das mit Bildern kein Problem für mich.

"Ach schön, das mit der anderen Schriftart kann ich mir gut vorstellen, dass das schwierig ist.
Wir haben nun wirklich einen sehr guten Einblick erhalten und ich für meinen Teil habe auch viel gelernt. Zum Schluss würde ich gerne noch wissen, was deine Lieblingsbücher sind? Hast du auch einen Lieblingsautor?"


Andrea:
Meine Lieblingsbücher sind alle acht Bände der Pretty Little Liars-Reihe von Sara Shepard und alle Thriller von Monika Feth.

"Pretty Little Liars kenne ich bisher nur die Serie, aber die finde ich ganz toll. Die Bücher muss ich unbedingt noch lesen!
Vielen lieben Dank an dich Andrea, dass du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast!"


Andrea:
Gerne doch! Falls du noch weitere Fragen hast, trau dich ruhig!

"Das ist lieb von dir. Im Moment fällt mir tatsächlich nichts mehr ein, aber falls die Leser noch die ein oder andere Frage hätten, oder mir noch etwas einfällt, komme ich sehr gerne auf dein Angebot zurück!"


Wie ihr merkt sind für uns Dinge selbstverständlich, die für andere unmöglich sind!
Man geht teilweise "blind" durchs Leben, obwohl man doch alles sehen kann! In vielen Momenten habe ich dabei auch an mich selbst gedacht. Wie oft beschwert sich jeder Einzelne von uns über Belangloses, obwohl man kerngesund ist? Man sollte dafür dankbar sein und man sollte auch seine Sehkraft zu schätzen wissen.

Heute möchte ich wirklich allen blinden Menschen da draußen meinen größten Respekt aussprechen!
Ich möchte mich an dieser Stelle nochmal ganz herzlichst bei Andrea bedanken und wünsche ihr für ihre Zukunft nur das Beste! Sie ist ein wahres Vorbild für viele Menschen, da sie trotz ihrer Behinderung eine Lebensfreude ausstrahlt, die bemerkenswert ist und regelrecht ansteckt. Es war toll sie interviewen zu dürfen und ich bin außerdem sehr froh, sie kennengelernt zu haben!

Auch vielen Dank an Jacqueline von BookRevolution, die mich immer unterstützt und auch von dieser Idee so begeistert war, dass sie den Beitrag auf ihrem Blog teilt.

Zum Schluss auch noch ein großes Danke an euch Leser, ich hoffe es hat euch gefallen und ihr habt es genauso interessant gefunden wie ich.

Kommentare:

  1. Huhu,
    das Interview ist toll. Es bringt einen wirklich zum Nachdenken, wir "gesunde" wissen gar nicht wie gut es und eigentlich geht.
    Was mich aber Interessieren würde, werden alle Bücher die in der "normalen" Schrift erscheinen, in Blindenschrift übersetzt? (ich hoffe du weißt was ich meine?!)

    Lg
    Justine von Buchfantasie 😊

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  2. Huhu,
    das Interview ist toll. Es bringt einen wirklich zum Nachdenken, wir "gesunde" wissen gar nicht wie gut es und eigentlich geht.
    Was mich aber Interessieren würde, werden alle Bücher die in der "normalen" Schrift erscheinen, in Blindenschrift übersetzt? (ich hoffe du weißt was ich meine?!)

    Lg
    Justine von Buchfantasie 😊

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  3. Ich fand das Thema auch echt toll und wirklich interessant. Hmmm da muss ich leider gestehen, dass ich das gar nicht genau weiß. Ich würde jetzt denken, nein, aber genau kann ich dir das nicht sagen. Tut mir leid.
    und sorry fürs späte Antworten. Irgendwie funktioniert das mit der Benachrichtigung hier nicht so richtig :/

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  4. Huhu,
    habe das jetzt erst gelesen. Leider werden nicht alle in Blindenschrift übersetzt, weil die Kosten sehr hoch sind. Die Bücher, die übersetzt werden, erscheinen dann auch meistens erst sehr viel später in Blindenschrift!

    Ganz liebe Grüße
    Marion

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  5. Ja ich lese das hier auch immer alles erst voll spät, weil ich die Benachrichtigungen manchmal nich bekomme....Also danke für deine Antwort liebste Marion :)

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